Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: [Review] Cowboy Bebop - Ein Liebesbrief

Dieser Thread wurde noch nicht bewertet. Bewerte ihn doch, wenn er dir gefällt!
  1. #1
    Kleiner Experte Avatar von Boki
    Registriert seit
    Jan 2014
    Ort
    Thun - Schweiz
    Beiträge
    80
    Punkte
    3.408
    Errungenschaften:
    Tagger Amateur1000 ErfahrungspunkteHikikomori

    [Review] Cowboy Bebop - Ein Liebesbrief



    Ein Review in Form eines Liebesbriefs mag den Leser und die Leserin zunächst befremden, soll doch eine Kritik ein Werk beschreiben und bewerten, aber nicht anpreisen. Cowboy Bebop ist aber so speziell und so wundervoll, dass man diese Serie nicht mit den üblichen Kategorien und Normen beurteilen kann, im Gegenteil, Cowboy Bebop entzieht sich jeglicher objektiver Bewertbarkeit und gedeiht in einer expressionistischen Sphäre, die sich durch Musik und Gefühle ausdrückt.

    Cowboy Bebop scheint keine Story zu haben, was gleichzeitig der grösste Kritikpunkt ist, den man zu dieser Show üblicherweise zu hören bekommt. Jede Folge ist eine Einheit, die für sich steht und auf den ersten Blick nicht viel mit der nächsten oder der vorangehenden Episode zu tun hat. Dies soll aber nicht falsch verstanden werden, denn Cowboy Bebop ist nicht eine Serie wie die Simpsons, in welcher die Ereignisse einer Folge keine Auswirkungen auf die andere haben. In Bebop gilt, was passiert, das passiert und lässt sich nicht mehr ändern. Allerdings sind die Episoden nicht, wie meist angenommen, für sich stehende Einheiten, sondern fügen sich zu einem grossen Ganzen zusammen, ähnlich wie die Glieder einer wunderschönen Perlenkette, die für sich genommen schön sein können, aber ihren wahren Glanz erst in der Gesamtheit der Kette entfalten.

    Cowboy Bebops Kette, welche die jeweiligen Folgen verbindet und zusammenhängt ist Spikes Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Einem Puzzle gleich offenbaren sich uns Stück für Stück Teile aus seiner Vergangenheit und fügen sich gegen Schluss zu einem Ganzen zusammen, das sich Spike Spiegel nennt. Um ihn und seine Vergangenheit herum werden fesselnde Geschichten kreiert, die zeigen wie er und sein Freund Jet den süssen Hund Ein, die Femme fatale Faye Valentine und die frech-fröhliche Ed kennen lernen. Daraufhin werden uns Episoden gezeigt, die sich nicht ausschliesslich um Spike drehen, sondern auch um seine Freunde und deren Vergangenheit und ehe man sich versieht, lernt man vier faszinierende Menschen kennen und erlebt mit ihnen bittersüsse Momente.



    Die Folgen überzeugen neben brisanter Aktion mit gefühlvoller Charakterentwicklung. Jet ist der Fels in der Brandung, an den sich alle Mitglieder der Bebop orientieren, obwohl er gerne so tut, als ob ihm alle anderen egal sind und er sich nur um sein Schiff und Geld kümmert. Er ist ein ehemaliger Polizist, der eines Tages von seiner grossen Liebe verlassen wurde und seit dem das einsame Dasein eines Kopfgeldjägers führt. Er trifft diese Liebe namens Alisa in der Folge „Ganymede Elegy“ wieder und gibt zu, dass er sich früher immer gefreut hat nach Hause zu kommen, wo sie auf ihn gewartet hat. Das sei genug für ihn gewesen, bis zu dem Tag an dem sie ihn verlassen hat und ihm nur einen Brief und eine Uhr hinterliess, auf der die Zeit still geblieben ist. Auch wenn Jet tausende Kilometer weit geflohen ist von Ganymed, seiner Heimat, so ist die Zeit für ihn doch still geblieben und er konnte nie mit seiner Vergangenheit abschliessen. Auf der Bebop übernimmt er für seine Freunde die Rolle, die Alisa für ihn übernahm; er ist die Person, die zu Hause wartet und zu der die anderen jederzeit zurückkehren können. An einer Stelle wird er als (weg)rennender Felsen beschrieben.

    Spoiler


    Faye Valentine wird als egozentrische Probleme Macherin charakterisiert, die nur auf eine Gelegenheit wartet ihre Freunde übers Ohr zu hauen und mit fetter Beute zu verschwinden. Sie ist älter als sie zu sein scheint, denn als Jugendliche hatte sie einen schweren Unfall und wurde in Kryostase versetzt, weil man sie damals nicht heilen konnte. Sie wird aber eines Tages wieder erweckt und gesund gepflegt, hat aber keine Erinnerungen an ihre Vergangenheit und weiss nicht wer sie ist. Der Arzt, der sie rettet, gibt ihr den Namen Faye Valentine, der auf den ersten Blick nicht zu ihrer Persönlichkeit passt, aber wenn Cowboy Bebop etwas ist, dann doppeldeutig, denn wir kriegen mit der Zeit eine Faye zu Gesicht, die wir schnell zu lieben lernen. Auch für sie ist die Zeit stehen geblieben und sie wird von ihrer Vergangenheit heimgesucht, aber nicht aus denselben Gründen wie Jet oder Spike, denn sie kann sich an ihre nicht erinnern. Während die anderen beiden von ihr Flüchten, sucht Faye ihre Vergangenheit, kann sie aber nicht finden.



    Ed, die aussieht wie ein Junge, taucht aus dem Nichts auf und verschwindet ebenso plötzlich wie sie gekommen ist. In der Serie wird sie an einer Stelle als streunende Katze beschrieben, die ihren eigenen Willen hat und das tut, worauf sie gerade Lust hat.



    Spike, der schwimmende Vogel, wirkt wie ein Tunichtgut, der das Leben nimmt, wie es kommt. Er verbirgt aber tief in sich eine Bürde, die sich Vergangenheit nennt und wird immer wieder von ihr heimgesucht, obwohl er sie am liebsten vergessen würde. Er war ursprünglich ein Mitglied des Syndikats Roter Drache, einer Mafiaorganisation auf dem Mars, lernte dort die Liebe seines Lebens, Julia, kennen und wollte mit ihr fliehen und ein neues Leben anfangen. Allerdings entschloss sich Julia nicht ihm zu folgen und so wandert Spike alleine, mit Jet, durch das Sonnensystem und schlägt sich als Kopfgeldjäger durch.



    Worum geht es in Cowboy Bebop eigentlich? Um Spike Spiegel und sein Abenteuer? Nein, in Bebop geht es um das Leben, um Menschen und ihre Beziehungen, um Liebe, Freundschaft, Trauer, Einsamkeit, den Tod und vieles mehr. Der Anime ist dermassen vielschichtig, dass man nicht ansatzweise beschreiben kann, welche Themen er alles aufgreift. In seinem Herzen geht es aber um unsere vier Freunde, der Crew von Bebop und deren Verhältnis zueinander. Wobei „Crew“ das falsche Wort ist, denn sie gehören weder zur Bebop, noch zueinander. Sie sind eher vier Fremde, deren Wege sich für einen kurzen Zeitraum ihres Lebens gekreuzt haben und die sich zusammen durchschlagen, weil sie merken, dass es alleine doch einsam ist. Aber sie sind das, was Bebop so besonders macht, weil sie komplexe Charaktere darstellen, die man so in keinen anderen Anime zu Gesicht bekommt.



    Aber warum ist Cowboy Bebop etwas Besonderes, dass ich mich dazu entschliesse für sein Review einen Liebesbrief zu schreiben? Nun, zum einen ist dieser Anime so einmalig, dass es weder in der Anime Industrie, noch in Hollywood jemals etwas Vergleichbares gab, bzw. gibt. Die Story ist so vielschichtig und doppeldeutig, dass sie selbst nach der fünften Wiederholung Überraschungen bereit hält, die Charaktere sind so kunstvoll und originell, dass man sich sofort in sie verliebt und das Setting…ist unglaublich. Anstelle einer auf Hochglanz polierten Sci-Fi Welt, kriegen wir eine dreckige, trüber Western Atmosphäre, die mehr an Neo-Tijuana als an Neo-Tokyo erinnert, wie „Christli“ von THEM Anime Reviews treffend beschreibt. Genau deswegen erinnert mich dieser Anime an die Kultserie Fierfly (R.I.P!). Vier Leute, die durch das Universum – in dem Fall das Sonnensystem – cruisen in einem coolen Schiff, welches das Millenium Falcon Gefühl verbreitet, den Tag zu nehmen wie er kommt; das ist Freiheit. Ironischerweise sind unsere Helden alles andere als frei, mit Ausnahme von vielleicht dem süssen Hund Ein und Ed, die gegen Ende der Show ihren eigenen Weg findet, auch wenn wir nie erfahren, wie dieser Weg genau aussieht. Darum geht es auch nicht, wichtig ist, dass sie ihn beschreitet, mehr müssen wir nicht wissen. Wer Zweifel hat, weil er oder sie mit Western Filmen nichts anfangen kann, darf aufatmen, denn in Bebop ist die Atmosphäre auch schon alles, was mit einem klassischen Western zu tun hat. Ich kann mit Western auch nicht viel Anfangen, aber Bebop ist so viel mehr als das.
    Für den aufmerksamen LeserIn hält Cowboy Bebop unglaublich viele Anspielungen aus der Popkultur bereit, die von Andeutungen zu Led Zeppelin, Queen oder anderen berühmten Musikgruppen über Filmfiguren wie Butch und Sundance, Bruce Lee bis hin zu berühmten Filmemachern der 50er und 60er Jahre reichen. Darüber hinaus ist Cowboy Bebop so kunstvoll aufgebaut, dass die Show mehrere Anspielungen auf sich selbst, bzw. eigene Episoden hat. Sind euch die Parallelen zwischen Faye und Julia aufgefallen, oder die Ähnlichkeit zwischen Spike und Gren, der in „Jupiter Jazz“ vorkommt? Die Hommage an die Alien Filme in „Toys in the Attic“, oder dass die Kathedrale in „Ballad of Fallen Angels“ an die Notre Dame erinnert? Worauf spielt die Folge „My funny Valentine“ an? Ist euch klar, dass der Mann, der in „The Real Folk Blues 1“ seine Mutter am Flughafen abholt, der Schauspieler aus „Top Shots“ ist? Der running gag in „Speak like a Child“ fällt doch sofort auf, als Spike und Faye sich am Angeln bzw. Pferderennen-Glücksspiel versuchen, ohne aber Erfolg zu haben, wie das auch bei ihren Kopfgeldaufträgen so ist. Sie schaffen es immer die Verbrecher auszuschalten, den Tag zu retten, aber können ihre Erfolge nie in Bares ummünzen. Die Liste liesse sich schier endlos ergänzen.

    Doch was ist es, das Cowboy Bebop seinen einmaligen, unverwechselbaren Charme verleiht? Story, Charaktere, Setting, Anspielungen und Metaphern sind nur die eine Seite der Münze, die andere besteht aus der Animation und, meines Erachtens das wichtigste: dem Soundtrack. Ich kann mit reinem Gewissen behaupten, dass Bebop den breitesten, komplettesten und elegantesten OST der Anime Geschichte hat und sich mit jeder Hollywood Produktion messen kann. Noch nie ist mir eine Show begegnet, die sich so gut anhört. Eröffnet wird der Anime durch einen unvergleichlichen Jazz und Blues Blend (Mix) und klingt mit dem wunderschönen „The Real Folk Blues“ als Ending aus. Noch nie ist mir ein Anime begegnet, bei dem das Opening respektive Ending zum Anime dazu gehört. Wenn man eine Folge vor dem Einsetzen des „The Real Folk Blues“ wegklickt, fühlt sie sich nicht komplett an, es fehlt ein Teil. Genauso ist es mit dem Openingsong „Tank!“, man kann den Anime nicht beginnen ohne „Den Gruve“. Jenseits von Opening und Ending überzeugt der Soundtrack auf ganzer Linie. Die Hauptkomponistin der Musik, Yoko Kanno, gehört zu den wenigen japanischen Künstlerinnen, die ausserhalb von Japan Berühmtheit erlangen konnte, und wie sie es verdient hat!

    Die Animation trägt auch ihren Teil am Erfolg der Show bei. Sie gehört selbst heute, 16 Jahre nach Veröffentlichung, mit zum Besten, was man in Animes sehen kann. Die Show sieht so gut aus, sie könnte Teil der Winterstaffel 2014 sein und würde trotzdem einige Animes übertrumpfen, was Animationsqualität anbelangt, und dies obwohl sie komplett digital erstellt wurde. Cowboy Bebop zeigt uns, wie Digitale Animation aussehen muss und davon könnten einige Produktionsstudios etwas lernen. Aber es ist nicht nur die Qualität der Animation, sondern auch deren Stil, der aus der Show ein unvergessliches Erlebnis machen. Spikes Flitzer ist die Sci-Fi Version einer Corvette 69 ZL1 und sieht einfach nur stylish aus. Zudem sind die schlanken, kurvigen aber zeitgleich realistischen Charakterdesigns der Figuren phantastisch.



    Cowboy Bebop ist ein einmaliges Erlebnis, das es kein zweites Mal gibt, egal von welchem Medium man spricht. Story, Charaktere, Setting, Animation und Soundtrack sind auf allerhöchstem Niveau und gehören mit zum Besten, was man in Animes sehen kann.
    Kann ich Bebop empfehlen? Herr Gott, Ja! Wer bis zu diesem Zeitpunkt die Show noch nicht gesehen hat, sollte sie auf seine persönliche „In-Life-to-do-list“ setzen und zwar ganz weit oben. Ich habe „in Life to do“ bewusst gewählt und nicht „to-watch-list“ verwendet, weil Cowboy Bebop nicht einfach eine TV-Show oder einfach nur ein Anime ist, sondern ein Kunstwerk. Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass er oder sie Bebop nicht gerne hatte oder die Serie schlecht fand. Diese Show gehört zu den wenigen Werken, die für jeden Geschmack etwas bietet. Wenn man jemanden fragt, wie er Bebop fand, dann assoziiert die Person als erstens den einen magischen Moment, die eine magische Folge, die sie persönlich am meisten bewegt hat und antwortet mit „weisst du noch, die eine Episode, als…“. Diese Folge ist je nach Person eine ganz andere, könnte aber jede sein, da alle Episoden wunderschöne, zauberhafte Momente enthalten, die sich in die Erinnerung eines jeden Zuschauers brennt.

    Wenn man mich nach Cowboy Bebop fragt, dann danke ich immer an die letzten vier Minuten der Folge 24 „Hard Luck Woman“. Ed verlässt die Bebop, einen Abschied braucht es nicht, sie geht einen Weg entlang, begleitet von einer wunderschönen, herzzerreissenden Abendröte und Yoko Kannos (gesungen von Steve Comte) bewegendem Song „Call Me, Call Me“, der selbst in Europa und den USA das Zeug zu einem Top 10 Hit hätte; Spike zündet seine Zigarette an, Ein kann nicht anders als mit Ed fortzugehen, während diese sich ein letztes Mal umdreht mit Blick gegen die Bebop gerichtet, dreht sich ab und läuft einer ungewissen Zukunft entgegen. Zwei Sternschnuppen fallen am Himmel. Dann nur noch ein schwarzer Bildschirm mit den Worten „See You Cowgirl, Someday, Somewhere!“ und der „The Real Folk Blues“ setzt ein. Unbezahlbar! Einer der bittersüssesten Momente, die ich je am Bildschirm oder an der Leinwand sehen durfte.

    Wer jetzt voller Vorfreude und Erwartung sich aufmacht, um Bebop zu sehen, sollte aber einen Rat beherzigen. Cowboy Bebop schaut man nicht einfach so. Man lädt sich die Serie nicht runter und verschlingt sie an einem Montagnachmittag, weil einem gerade langweilig ist und man sonst nichts zu tun hat. Nein, wenn man die komplette Bebop-Experience haben will, dann setzt man sich einen Termin, um die Serie zu schauen. Man isst vorher etwas feines, macht eine Flasche Wein auf, dimmt das Licht im Wohnzimmer, setzt sich in seinen Lieblingssessel oder legt sich auf das Sofa hin, nimmt seine Freundin oder seinen Freund in den Arm und lässt sich treiben. Man verschlingt nicht alle 26 Folgen auf einmal, sondern schaut sich gerade soviel an, wie man noch aufnahmefähig ist, schliesslich läuft einem der Anime nicht weg. Bebop ist wie ein langsamer Tanz zu einem Jazz Song. Wenn man zu tanzen weiss, kann man Raum, Zeit und die Welt vergessen, aber es ist einem bewusst, dass dieser Tanz irgendwann vorbei sein wird und man versucht schmerzhaft ihn hinauszuzögern, das Gefühl in sich einzusaugen, weil man weiss, dass dieser Moment bald zu Ende sein wird. Zum Glück können wir diesen Anime immer wieder von neuem schauen und ihn neu erleben, denn er wird nie langweilig und jedes Mal erkennt man neue Aspekte, neue Anspielungen und neue Bedeutungen, die einem vorher nicht aufgefallen sind. Das erste Mal habe ich Bebop vor acht Jahren geschaut. Damals hatte die Show eine ganz andere Bedeutung für mich, als sie es heute hat und ich weiss, dass ich sie in zehn Jahren wiederum ganz anderes verstehen werde als heute.

    Immer noch nicht überzeugt? Oder skeptisch, da dies sich zu gut anhört, um wahr zu sein? Dann schaut zuallererst die fünfte Folge der Serie an. Ganz genau, die fünfte, nicht die erste, zu der ihr erst danach zurückkehren solltet, um dann die Show in chronologischer Reihenfolge zu schauen. Wenn ihr die Schönheit von „Ballad of Fallen Angels“ nicht erkennen könnt, dann wird euch der Anime als Ganzes nicht verzaubern können und ihr solltet ihn vorläufig auf Eis legen. Kommt dann in einigen Jahren nochmals darauf zurück und versucht es noch einmal mit Folge fünf.

    Man könnte noch über so viele Dinge sprechen, aber das Beste ist, ihr schaut euch die Show selber an.

    See You Space Cowboy,

    Someday, Somewhere!


    Quelle: [Links sind nur für registrierte und aktivierte Nutzer sichtbar. Klicke hier um dich zu registrieren.]
    [Links sind nur für registrierte und aktivierte Nutzer sichtbar. Klicke hier um dich zu registrieren.]

    Und wer sich für Anime Reviews und Episoden Analysen von aktuellen Shows interessiert, kann mal auf meinem Blog vorbei schauen: [Links sind nur für registrierte und aktivierte Nutzer sichtbar. Klicke hier um dich zu registrieren.]

  2. #2
    Freigeschalteter Otaku
    Registriert seit
    May 2015
    Beiträge
    21
    Punkte
    919
    Errungenschaften:
    500 ErfahrungspunkteSenpai

    AW: [Review] Cowboy Bebop - Ein Liebesbrief

    Cowboy Bebop gilt mit Neon Genesis Evangelion als einer der Aushängeschilder für Top 90er Jahre Animes. Doch was ist Cowboy Bebop? Der Anime selbst ist eine Liebeserklärung an das Leben und noch so vieles darüber hinaus. Das Werk welches zweifellos nicht nur zu den Besten Animes von Studio Sunrise gehört, nein, es gehört auch zurecht so hoch platziert in einer Anime-Topliste und mit Lob überschüttet. Es festigte nicht nur die Karriere von Shin'ichirō Waranabe, der uns später mit weiteren Werken wie Samurai Champloo, Kids on the Slope, Space Dandy oder Zankyō no Terror belohnte, sondern brachte mit der hervorragenden Zusammenarbeit mit Yōko Kanno, DIE Komponistin überhaupt, coole und funke Jazz Musik in einer Space Opera hervor. Diese wiederum sorgten für internationale Bekanntheit für die Komponistin, die dann in weiteren Werken wie Wolf's Rain, Ghost in the Shell: Stand Alone Complex Series und Darker then Black nicht nur ihr können erneut unter Beweiß stellte, sondern auch zeigte das sie imstande ist zu jeden Anime meisterhafte Stücke zu komponieren und verhalf dadurch eher mittelmäßigen Anime wie Wolfs Rain und Arjuna zu größerer Beachtung. Ist Cowboy Bebop also der Grundstein für den Erfolg vieler anderer Animes und hebt sich damit von anderen Animes seiner Zeit ab?

    Und worum geht es überhaupt in der berüchtigten Space Opera? Es handelt von den Momenten die wir erlebt haben, die wir im hier und jetzt sehen, fühlen, spüren und hören und von einer ungewissen Zukunft. Einer Zukunft in der die Erde nicht mehr ist was sie ist. Im Jahre 2071 haben sich die Menschen in der gesamten Galaxie verteilt und es ist mit den Gateways, Teleporter für die Raumschiffe, ein leichtes durch das Sonnensystem zu tummeln. Der Zuschauer begleitet auf der Bebop die beiden Kopfgeldjäger Spike Spiegel und sein Partner Jet Black. Getrieben von den Summen die auf kleine Ganoven ausgesetzt sind, kommen die beiden viel herum um ihre Taschen mit etwas Kleingeld aufzufüllen. Als auf der flinken, durchtriebenen Zockerbraut Faye Valentine, ein Mysterium wie ihr Name selbst, ein nettes Summchen ausgesetzt ist kommt es, wie das Leben so will, dazu das sie sich der Bebop Gemeinde anschließt. Zuvor haben sich Spike und Jet jedoch schon ein weiteren Mitglied eingefangen, im wahrsten Sinne, und zwar den cleveren und hungrigen Wauwau Ein. Bei der Jagd nach einen Verbrecher stößt die Crew auch schnell auf die Hackerin Edward, alias Ed, die trotz des männlichen Namen, ein junges, frech-fröhliches Mädchen ist. Hierbei muss man aber unterscheiden das die Crew nicht daraus besteht das sie gut miteinander auskommen und sich mit der Zeit anfreunden, nein, es sind Fremde die vorübergehend zusammen arbeiten und sich ihre Wege danach wieder trennen, so wie das Leben sie zusammen geführt hat. Die Erzählung und der episodenhafte Aufbau wiederholt sich in vielen Phasen und ist immer in sich abgeschlossen. Der clevere Zuschauer wird aber merken das, obwohl jede Folge und Geschichte für sich steht, die Handlung im Hintergrund miteinander verknüpft ist und die Bebop Crew es erlebt hat. Wie Spike sagen würde: Whatever happens, happens.
    Alle haben ihre Rückschläge erlitten und versuchen vor ihrer Vergangenheit zu fliehen, doch auch am Ende des Universums wird ihnen immer wieder klar das dieses ihnen schneller einholt als ihnen lieb ist. Die Puzzle setzten sich zusammen und ergeben letztendlich das Gesamtbild von Spike Spiegel. Also geht es um Spike und seine Abenteuer? Nein, in Bebop geht es um das Leben, um Menschen und ihre Beziehungen, um Liebe, Freundschaft, Trauer, Einsamkeit, den Tod und vieles mehr. Der Anime ist dermaßen vielschichtig, dass man nicht ansatzweise beschreiben kann, welche Themen er alles aufgreift. In seinem Herzen geht es aber um unsere fünf Freunde, die Bebop ausmachen, und ihr Verhältnis zueinander.

    Die Story ist so vielschichtig und doppeldeutig, dass sie selbst nach der fünften Wiederholung Überraschungen bereit hält, die Charaktere sind so kunstvoll und originell, dass man sich sofort in sie verliebt und das Setting…ist unglaublich. Vier Leute und ein Hund, die durch das Sonnensystem cruisen in einem coolen Schiff und den Tag zu nehmen wie er kommt; das ist Freiheit. Ironischer weise sind unsere Helden alles andere als frei, mit Ausnahme von vielleicht dem süßen Hund Ein und Ed. Für den aufmerksamen Zuschauer hält Cowboy Bebop unglaublich viele Anspielungen aus der Popkultur bereit, die von Andeutungen zu Led Zeppelin, Queen oder anderen berühmten Musikgruppen über Filmfiguren wie Butch und Sundance, Bruce Lee bis hin zu berühmten Filmemachern der 50er und 60er Jahre reichen. Darüber hinaus macht Cowboy Bebop auch kein Halt davor auf sich selbst mehrere Anspielungen einfließen zu lassen. Sind euch die Parallelen zwischen Faye und Julia aufgefallen, oder die Ähnlichkeit zwischen Spike und Gren, der in der zwölften Episode vorkommt? Die Hommage an die Alien Filme in der elften Folge, oder dass die Kathedrale in "Ballad of Fallen Angels" an die Notre Dame erinnert? Euch ist bestimmt auch nicht entgangen das der Mann, der in der vorletzten Episode seine Mutter am Flughafen abholt, der Schauspieler aus "Top Shots" ist? Der Running Gag in "Speak like a Child" sticht sofort ins Auge, als Spike und Faye sich am Angeln bzw. Pferderennen-Glücksspiel versuchen, ohne aber Erfolg zu haben, wie das auch bei ihren Kopfgeldaufträgen so ist. Sie schaffen es immer die Verbrecher auszuschalten, den Tag zu retten, aber können ihre Erfolge nie in Bares ummünzen. Oder wie man in der ersten Folge, und einige weitere Male, vermuten kann das die drei älteren Herren, die tratschen und Karten spielen, eine offensichtliche Anspielung an "Back to the Future" sind.

    Neben seiner durchdachten Handlung, die zum nachdenken anregt, uns zum lachen und weinen bringt, die Kritik an die Society ausübt, uns dahinschmelzen lässt und unwiderstehlich in sein Charme gefangen genommen hat dieser Anime auch eine grandiose Animation die sich selbst heute noch sehen lässt und mit vielen Animes aus den letzten Jahren und gar aus diesem Jahr, und das obwohl Bebop nun über 16 Jahre auf den Buckel hat, locker mithalten kann und viele spielerisch leicht in ein Sack passt wie Ed andere Systeme hackt. Detailverliebtheit wurde hier groß geschrieben und jede Animation sieht immer noch flüssig aus und ist einer der Gründe warum ich auch in zwanzig Jahren aus dem Staunen, beim dreißigsten rewatch, nicht raus kommen werde.

    Zum Soundtrack - ich zitiere aus Wikipedia - Für Watanabe ist die Musik eines der wichtigsten Ausdrucksmittel im Film, da Musik eine Art Universalsprache für ihn darstellt. In Cowboy Bebop wurde die Musik sehr stark von der amerikanischen Kultur beeinflusst, insbesondere vom Jazz. Dieser wie auch der Blues wurden gemischt mit moderner Musik wie Funk. Paart man solche eine Einstellung mit Yōko Kanno entsteht das Beste und einzigartigste was die Anime-OST's Welt je gesehen, pardon, gehört hat. Ins besondere das Opening, Tank, und das Ending, The real folk Blues, gehört zu jeder Episode dazu und ohne ihnen fehlt etwas.

    Ihr fragt mich also ob ich Cowboy Bebop empfehlen kann? Ich lebe für Cowboy Bebop! Es ist als Anime-Fan knallharte Pflicht sich diesen Kult-Anime anzusehen und dabei zu genießen. Denkt dran er läuft euch nicht davon. Lasst euch Zeit und schaut soviel wie es eure Freizeit derzeit erlaubt und kommt notfalls später wieder darauf zurückt. Auf die Frage welchen Anime oder welche Anime-Folge ich als letztes vor mein Tod sehen würde - wäre meine Antwort IMMER Cowboy Bebop mit der Episode 17, Mushroom Samba, alias Breiter als das Universum. So wie die Musik immer zu einem Ende führt so tut es auch Cowboy Bebop. In diesem Sinne, ihr wisst genau was nun kommt, See You Space Cowboy, Someday, Somewhere! Zum Schluss mochte ich hier noch die deutsche Vertonung loben die es gleichermaßen mit der japanischen aufnehmen kann, jedoch ziehe ich die deutsche aus Nostalgie Gründen vor.

    ~ you are not the only one! ~

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158