Moin moin Liebe Leute :D,

da ich grade entdeckte das es hier eine kleine Schreiber ecke existiert wollte ich mal eine Kurzgeschichte von mir präsentieren, die ich vor einiger Zeit geschrieben haben :D Da ich mal schauen wollte wie andere darauf reagieren bzw. ob man sie so überhaupt versteht O.o
Ich hoffe das es keine Zeit Verschwendung für euch ist :S und viel Spaß :3



Der Junge der immer sprach

Eines Tages beschloss ich mit dem Reden aufzuhören. Es gab damals nur einen Anlass dafür. Ich hatte einfach das Bedürfnis, es allen einmal recht zu machen. Das ich meinen Mund halte. Die Menschen verstanden es nicht. Sie verstanden nicht, wieso ich von einem Augenblick auf den anderen zu Schweigen begann, obwohl ich zuvor doch immer so viel geredet hab. Sie versuchten mich zu überreden, etwas zu sagen. Sie versuchten eine Erklärung zu bekommen. Irgendetwas Geschriebenes. Oder ein Bild. Aber ich antwortete nicht. Ich wusste nicht, wie ich das erklären hätte sollen.
Aber mir erklärst du es?
Das ist etwas anderes.

Manchmal wenn ich spaziere, durch die Natur, die Sonnenstrahlen auf meiner Haut spüre – dann bin ich nicht sicher, ob ich nicht doch mit jemandem darüber reden möchte. Oder wenn ich herum sitze, an einem See oder am Meer und die Füße das Wasser berühren – dann denke ich, ich müsste jemandem davon erzählen.
Aber mir erzählst du es nicht?
Das ist etwas anderes.

Zunächst dachten alle, ich hätte den Verstand verloren – Familie, Freunde, einfach alle und das nur, weil ich nicht mehr mit ihnen sprach. Aber ich lebte abgesehen davon mein Leben völlig normal weiter. Man kommt erst, wenn man es ausprobiert, darauf, wie wenig man sprechen muss, wenn man nicht will.
Einige Wochen nach meiner Entscheidung fand ich eine Tonaufnahme mit meiner Stimme in einer Schreibtischschublade – es war eine CD, die ich für Mikrofontestzwecke besprochen hatte. Vor Jahren schon.
Wo befindet sich die CD jetzt?
Ich habe sie weggeworfen. Gleich nachdem ich sie fand, damit ich mich nicht erinnere, wie es war.
Wie was war?
Wie es war zu sprechen.

Die Routine, sie ist in meinem Leben eine gewaltige Hilfe. Mich verunsichern Situationen, in denen etwas Ungeplantes passiert. Wenn ich zum Bus gehe und der Zeitplan nicht korrekt eingehalten wird, dann beginne ich zu laufen. Ich spüre, wie sich meine Beine schneller bewegen. Mein Herzschlag sich erhöht. Mein Blutdruck ansteigt. Mein Atem schneller wird. Dann fluche ich innerlich. Ich überlegte, wie es sich anhören würde, hätte ich ein Band dabei um es aufzunehmen.
Dürfte ich dann das Band anhören?
Ich würde es sofort verstecken oder vernichten.

Wenn ich von vielen Menschen umgeben bin, auf der Straße, im Zug, in öffentlichen Gebäuden, spüre ich, trotz des ganzen Lärms, immer dieselbe Ruhe. Es fühlt sich an, als wären die Menschen gar nicht wirklich da. Niemandem fällt es auf, dass ich nicht spreche. Ob es wohl auffallen würde, wenn alle Menschen dieselbe Entscheidung träfen wie ich?
Du meinst die Entscheidung nicht mehr zu sprechen?
Ja, genau. Was würde wohl passieren, wenn alle Menschen aufhörten zu sprechen?
Aber du sprichst doch? Mit mir.
Das ist etwas anderes.
Warum?
Du bist ich.
Trotzdem konntest du nicht aufhören.
Mit was?
Mit dem sprechen.