Ganz alleine lief er durch die Straßen. Gepeinigt vom Schmerz und der vielen Gedanken, die in seinem Kopf umherschwirrten. Er wusste nicht, warum er dies tat; wusste nicht, was die Zukunft ihm nun bringen würde. Es war einfach alles so leer in seiner Seele. Gestern noch, bevor es passierte, wusste er, dass er am nächsten Tag nicht mehr der sein würde, der er noch war. Er würde gedankenlos umherirren, wie er es vor Jahren auch schon getan hatte. Ohne ein bestimmtes Ziel; ohne eine Ankunft oder Abreise. Keiner würde was bemerken. Keiner würde ahnen, dass er einfach gehen würde. Seinen Weg suchend und Schmerz lindernd. So tat er es nun und merkte, dass selbst dies ihn nicht weiterbrachte. Er wollte reden. Alles erzählen, was ihm auf der Seele brannte, doch er konnte keine Worte hervorbringen. Er hatte das Sprechen verlernt. Das Erzählen. Das Mitteilen anderen Menschen gegenüber. Das Schildern seiner Probleme. Er schrieb lieber. Ja, er schrieb gern, denn er konnte so besser seine Worte fassen. Er schrieb Seiten, hätte sogar ein Buch geschrieben, wenn es denn einer lesen würde. Er wusste, es würde niemanden wirklich interessieren. Niemand würde ihn verstehen, denn er tat es selbst nicht wirklich. Doch was konnte er tun? Er schrieb weiter, während er die Straßen entlang lief. Ihm war es egal, dass es gewitterte. Das der Regen auf seine Schultern peitschte und das es langsam anfing zu schmerzen. Die Tropfen, die auf ihn hinabfielen. Doch er kümmerte sich nicht. Wollte einfach nur schreiben. Alles von der Seele schreiben. Es war dunkel und dennoch konnte er alles erkennen. Er hasste seine Schrift, aber es kümmerte ihn nicht. Es würde sowieso keiner lesen. Seine Finger fingen an zu schmerzen. Noch ein paar Tage länger und sie würden anfangen zu bluten. Wie sein Herz es schon seit Tagen tat. Tropfen für Tropfen; Stück für Stück brach es dahin. Doch ihn kümmerte es nicht. Es würde sowieso keiner mehr haben wollen.

Warum schrieb' er eigentlich immer noch? Half es ihm? Nein, aber dennoch tat er es. Was war es nur, dass ihn dazu bewegte? Alle Hoffnung war nun fast verloren und er schrieb. Was sollte er sonst tun? Er wusste nicht, ob er es noch retten konnte. Wusste nicht, was passieren würde, wenn. Woher auch? Er war nicht Gott. Doch er wusste, dass Gott auch nicht alles wusste. Ihm war es gleich. Es würde sowieso niemanden interessieren. Was würde er dafür geben, alles ungeschehen zu machen? Nichts! Denn es scherte ihn nicht. Es würde sowieso nichts ändern. Die nächste Seite war nun auch vollständig vollgeschrieben. Bald brauchte er neues Schreibmaterial. Aber wofür? Konnte doch egal sein. Es würde sowieso keiner lesen. Sollte er vielleicht einfach lieber nachdenken, so wie er es sonst auch tat? Warum sollte er? Es scherte doch sowieso keinen. Am Wenigsten ihn selbst.

Er hörte auf zu schreiben und zündete eine Zigarette. Der Zug hatte was Beruhigendes. Aber half es dennoch? Nein, warum auch? Es würde an der Gesamtsituation sowieso nichts ändern. Außer, dass er irgendwann totkrank irgendwo liegen würde. Nach Luft schnappend. Krebs war etwas Abscheuliches, dachte er. Aber wen interessiert es schon in einem Gesamtbild betrachtet? Es würde sowieso nie richtig geheilt werden können. Der zweite Zug tat noch besser. Aber es änderte nichts. Warum sollte eine Zigarette auch alle Probleme ändern? Hatte es eine Kugel im Kopf jemals getan? Oder ein Strick? Oder vielleicht irgendwelche Tabletten? Nein. Nichts wird mehr helfen, dachte er sich. Also konnte er ruhig noch weiter an seiner Zigarette ziehen. Es würde sowieso nichts ändern, geschweige denn jemanden interessieren. Wofür war er überhaupt noch hier? Um anderen Menschen zu helfen? Seinen Freunden? Seiner Familie? Er konnte doch sowieso kein Problem lösen, dachte er sich. Und schon war auch der zehnte Zug getan und er spürte das Nikotin seinen Körper durchströhmen. Ein kurzes Schwindelgefühl überfiel ihn. Doch es half nicht. Warum sollte es auch? Es würde sowieso nichts bringen.

Nun hatte er sie verlassen. Doch es hatte nicht geholfen. Warum auch? Es wird sowieso nichts helfen. Er war krank. Doch er hatte kein Fieber. Es würde sowieso niemanden interessieren. Er wurde nicht ignoriert, nein. Ihn verstand bloß niemand. Am Wenigsten er sich selbst. Was sollte er dann von den Anderen erwarten? Doch ihm scherte es nichts. Schließlich zog er zum letzten mal und schnippte seine Zigarette in den Wind. Sie wurde noch etwas vom Wind getrieben, bis sie schließlich auf den Boden fiel. So war es mit ihr auch. Er konnte sie nicht festhalten. Er war nicht der, der für sie bestimmt war. Doch woher konnte er es wissen? Es konnte doch sowieso niemand wissen. Und dennoch scherte es ihn. Er fing wieder an nachzudenken, wollte weiterschreiben, bis er bemerkte, dass er nichts mehr zu schreiben hatte. Es war alles geschrieben worden. Es machte keinen Sinn mehr. Hatte es überhaupt irgendeinen Sinn gemacht? Konnte es nicht noch einmal alles von vorne losgehen? Warum sollte es? Es würde sich doch sowieso nichts ändern. Doch er glaubte sich selbst nicht.

Er griff in seine Jackentasche. Sie war schon sehr rampuniert. Und dennoch fand er seine Schachtel. Er nahm eine Zigarette und zündete sie. Nur noch einmal, dachte er sich.
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