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Thema: Die Blumen des Bösen - Gedichte

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  1. #1
    Perverses Alien Avatar von TakumiUsui
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    Die Blumen des Bösen - Gedichte

    Das Bild

    Krankheit und Tod verlöschten längst die Funken
    Des Feuers, das uns lohend einst umfing,
    Der Augen Leuchten sanft und liebestrunken
    Und jenen Mund, an dem mein Herz verging.

    Was blieb von unsrer Küsse mächtigen Schauern,
    von der Verzückung Rausch so stark und wild?
    Ach meine arme Seele, du magst trauern!
    Nichts blieb zurück, als ein verwischtes Bild,

    Das stirbt wie ich, in Einsamkeit verborgen,
    Und das die Zeit, der Greis voll böser Gunst,
    Mit rauher Schillinge streift an jedem Morgen ...

    Du düstrer Feind des Lebens und der Kunst,
    Du sollst mir niemals im Gedächtnis morden
    Sie, die mein Glück war, die mein Ruhm geworden!

    Charles Baudelaire


    Werde hier aus der Sammlung Die Blumen des Bösen pro Woche 1x ein Gedicht posten.
    Die Gedichte kommen im Flim und Manga von Anohana vor.
    Geändert von TakumiUsui (7. January 2015 um 20:07 Uhr)

  2. #2
    Perverses Alien Avatar von TakumiUsui
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    AW: Die Blumen des Bösen - Gedichte

    Die Blumen des Bösen - Kapitel 1

    In Dumpfheit, Irrtum, Sünde immer tiefer
    Versinken wir mit Seele und mit Leib,
    Und Reue, diesen lieben Zeitvertreib,
    Ernähren wir wie Bettler ihr Geziefer.

    Halb sind die Sünden, matt ist unsre Reue,
    Und unsre Beichte macht sich fett bezahlt,
    Nach ein paar Tränen rein die Seele strahlt
    Und wandert froh den schmutzigen Pfad aufs neue.

    Satan, der Dreimalgrosse, übt die Künste,
    Auf seinem Kissen wiegt er unsern Geist,
    Bis das Metall, das Kraft und Wille heisst,
    Vom Zaubrer aufgelöst in fahle Dünste.

    Des Teufels Fäden sind's, die uns bewegen,
    Wir lieben Graun, berauschen uns im Sumpf,
    Und Tag für Tag zerrt willenlos und stumpf
    Der Böse uns der Hölle Stank entgegen.

    Wie an der Brust gealterter Mätressen
    Der arme Wüstling stillt die tolle Gier,
    So haschen nach geheimen Lüsten wir,
    Um sie wie dürre Früchte auszupressen.

    Gleich Würmern wimmelnd ist ins Hirn gedrungen
    Die Teufelsschar, die uns zerstören muss,
    Wir atmen, und ein unsichtbarer Fluss,
    Der Tod, strömt klagend hin durch unsre Lungen.

    Wenn Notzucht, Gift und Dolch und alles Böse
    Noch nicht geschmückt mit holder Stickerei
    Des Schicksals Grund voll fadem Einerlei,
    Dann ist's, weil unsre Seele ohne Grösse.

    Doch zwischen Panthern, Schakalen und Hunden,
    In der Skorpionen, Schlangen, Affen Welt,
    Die kriecht und schleicht und heult und kläfft und bellt,
    Im Tierhaus unsrer Taster ward gefunden

    Das schlimmste, schmutzigste von allen Dingen,
    Die Qual, die nicht Gebärde hat noch Schrei,
    Und doch die Erde macht zur Wüstenei
    Und gähnend wird dereinst die Well verschlingen:

    Der Uberdruss! – Tränen im Blick, dem bleichen,
    Träumt vom Schafott er bei der Pfeife Bauch.
    Du, Leser, kennst das holde Untier auch,
    Heuchelnder Leser – Bruder –: meinesgleichen!

  3. #3
    Neuling auf Bewährung Avatar von SamDragonTV
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    AW: Die Blumen des Bösen - Gedichte

    Zärtlichkeit

    Der blaue und der weisse Flieder
    Umduftet unsere Laubenbucht,
    Goldregen pendelt auf uns nieder
    Der blütenschweren Zweige Wucht.

    Viele weisse Schmetterlinge fliegen,
    Der Spötter singt im Rosendorn,
    Ganz langsam sich die Zweige wiegen.
    Ein warmer Wind geht über das Korn.

    Die Sonne spielt auf deinen Händen,
    Die lässig ruhn auf deinem Kleid,
    Mein Blick will sich davon nicht wenden,
    Mein Herz denkt lauter Zärtlichkeit.
    Sie fragen mich ob ich einen Gottkomplex habe? Ich bin Gott

  4. #4
    Perverses Alien Avatar von TakumiUsui
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    AW: Die Blumen des Bösen - Gedichte

    Kapitel 1

    In Dumpfheit, Irrtum, Sünde immer tiefer
    Versinken wir mit Seele und mit Leib,
    Und Reue, diesen lieben Zeitvertreib,
    Ernähren wir wie Bettler ihr Geziefer.

    Halb sind die Sünden, matt ist unsre Reue,
    Und unsre Beichte macht sich fett bezahlt,
    Nach ein paar Tränen rein die Seele strahlt
    Und wandert froh den schmutzigen Pfad aufs neue.

    Satan, der Dreimalgrosse, übt die Künste,
    Auf seinem Kissen wiegt er unsern Geist,
    Bis das Metall, das Kraft und Wille heisst,
    Vom Zaubrer aufgelöst in fahle Dünste.

    Des Teufels Fäden sind's, die uns bewegen,
    Wir lieben Graun, berauschen uns im Sumpf,
    Und Tag für Tag zerrt willenlos und stumpf
    Der Böse uns der Hölle Stank entgegen.

    Wie an der Brust gealterter Mätressen
    Der arme Wüstling stillt die tolle Gier,
    So haschen nach geheimen Lüsten wir,
    Um sie wie dürre Früchte auszupressen.

    Gleich Würmern wimmelnd ist ins Hirn gedrungen
    Die Teufelsschar, die uns zerstören muss,
    Wir atmen, und ein unsichtbarer Fluss,
    Der Tod, strömt klagend hin durch unsre Lungen.

    Wenn Notzucht, Gift und Dolch und alles Böse
    Noch nicht geschmückt mit holder Stickerei
    Des Schicksals Grund voll fadem Einerlei,
    Dann ist's, weil unsre Seele ohne Grösse.

    Doch zwischen Panthern, Schakalen und Hunden,
    In der Skorpionen, Schlangen, Affen Welt,
    Die kriecht und schleicht und heult und kläfft und bellt,
    Im Tierhaus unsrer Taster ward gefunden

    Das schlimmste, schmutzigste von allen Dingen,
    Die Qual, die nicht Gebärde hat noch Schrei,
    Und doch die Erde macht zur Wüstenei
    Und gähnend wird dereinst die Well verschlingen:

    Der Uberdruss! – Tränen im Blick, dem bleichen,
    Träumt vom Schafott er bei der Pfeife Bauch.
    Du, Leser, kennst das holde Untier auch,
    Heuchelnder Leser – Bruder –: meinesgleichen!

  5. #5
    Neuling auf Bewährung Avatar von das_bloody
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    AW: Die Blumen des Bösen - Gedichte

    Ich muss sagen, da mir die Blumen des Bösen vorher so überhaupt kein Begriff waren und ich mehr als angetan bin
    werde ich mal fortführen, was versprochen wurde.

    Kapitel II
    Segen

    Wenn nach des Himmels mächtigen Gesetzen
    Der Dichter kommt in diese müde Welt,
    Schreit seine Mutter auf, und voll Entsetzen
    Flucht sie dem Gott, den Mitleid selbst befällt.

    »Warum gebar ich nicht ein Nest voll Schlangen,
    Statt diesem Spottgebild verwünschter Art!
    Verflucht die Nacht, in der mein Bauch empfangen,
    Da flüchtiger Lust so bittre Strafe ward!

    Was wähltest du mich aus von allen Frauen,
    Dem blöden Mann zur ekelvollen Wut,
    Was werf' ich nicht die Missgeburt voll Grauen
    Gleich einem Liebesbrief in Feuersglut!

    Doch ich will deinem Hasse nicht erliegen,
    Ich wälz' ihn auf das Werkzeug deines Grolls
    Und will den missgeratnen Baum so biegen,
    Dass keine Frucht entspringt dem faulen Holz.«

    So presst sie geifernd ihren Grimm zusammen,
    Nichts ahnend von des Himmels Schluss und Rat,
    Und schürt sich in Gehenna selbst die Flammen
    Für ihre mütterliche Freveltat.

    Indessen zieht ein Engel seine Kreise,
    Und der Enterbte blüht im Sonnenschein,
    Und zu Ambrosia wird ihm jede Speise
    Und jeder Trank zu goldnem Nektarwein.

    Zum Spiel taugt Wind ihm, Wolken und Gestirne,
    Berauscht von Liedern zieht er durch sein Reich,
    Und traurig senkt der Engel seine Stirne,
    Sieht er ihn sorglos, heitern Vögeln gleich.

    Denn alle, die er liebt, voll Scheu ihn messen;
    Weil seine Sanftmut ihren Groll entfacht,
    Versuchen sie ihm Klagen zu erpressen,
    Erproben sie an ihm der Roheit Macht.

    Sie mischen eklen Staub in seine Speisen,
    Beschmutzen jedes Ding, dem er sich naht.
    Was er berührt, sie heuchelnd von sich weisen,
    Und schreien »wehe«, kreuzt er ihren Pfad.

    Auf öffentlichem Markt, wie eine Dirne,
    Höhnt laut sein Weib: »Da mir sein Beten gilt,
    So will ich auch vom Sockel bis zur Stirne
    Vergoldet sein gleich einem Götzenbild.

    Berauschen will ich mich an Weihrauch und Essenzen,
    An Wein und Huldigung mich trinken satt,
    Und da er göttergleich mich will bekränzen,
    Werd ich beherrschen ihn an Gottes Statt!

    Und will die Posse mir nicht mehr gefallen,
    Pack' ich ihn mit der schwachen, starken Hand,
    Mit meinen Nägeln wie Harpyenkrallen
    Zerfleisch ich ihn, bis ich sein Herze fand.

    Gleich einem jungen Vogel fühl' ichs zittern,
    Zuckend und rot wird's meiner Hände Raub,
    Und um mein Lieblingstier damit zu füttern,
    Werf ich es voll Verachtung in den Staub!«

    Zum Himmel, zu dem ewigen Strahlensitze
    Hebt fromm der Dichter seine Hände auf,
    Und seines lichten Geistes weite Blitze
    Verhüllen ihm des Volks blindwütigen Häuf:

    »Dank, dir, o Gott, der uns das Leid liess werden,
    Das uns erlöst aus tiefer Sündennacht,
    Das reine Elixier, das schon auf Erden
    Die Starken deiner Wonnen würdig macht!

    Dem Dichter wahrst du deiner Sitze besten
    Inmitten seliger Legionen Schar,
    Ich weiss, du lädst ihn zu den ewigen Festen
    Der Herrlichkeit und Tugend immerdar.

    Ich weiss, nicht Welt noch Hölle macht zum Hohne
    Den einzigen Adel, den der Schmerz verleiht.
    Ich weiss, auf meinem Haupt die Wunderkrone
    Muss leuchten über Welt und Ewigkeit.

    Ich weiss, dass Schätze, die versunken schliefen,
    Dass Gold und Edelstein aus finstrem Schacht,
    Dass Perlen, die du hebst aus Meerestiefen,
    Nicht würdig sind für dieser Krone Pracht.

    Denn sie ward aus dem reinsten Licht gesponnen,
    Das der Urflamme heiliger Herd besass,
    Des Menschen Blick, die leuchtendste der Sonnen
    Erlischt vor ihrem Glanz wie mattes Glas.

    Kapitel III

    Der Albatros


    Oft kommt es vor, dass, um sich zu vergnügen,
    Das Schiffsvolk einen Albatros ergreift,
    Den grossen Vogel, der in lässigen Flügen
    Dem Schiffe folgt, das durch die Wogen streift.

    Doch, – kaum gefangen in des Fahrzeugs Engen
    Der stolze König in der Lüfte Reich,
    Lässt traurig seine mächtigen Flügel hängen,
    Die, ungeschickten, langen Rudern gleich,

    Nun matt und jämmerlich am Boden schleifen.
    Wie ist der stolze Vogel nun so zahm!
    Sie necken ihn mit ihren Tabakspfeifen,
    Verspotten seinen Gang, der schwach und lahm.

    Der Dichter gleicht dem Wolkenfürsten droben,
    Er lacht des Schützen hoch im Sturmeswehn ;
    Doch unten in des Volkes frechem Toben
    Verhindern mächt'ge Flügel ihn am Gehn.

    Kapitel IV

    Erhebung


    Hoch über stillen Wäldern, blauen Meeren,
    Hoch über eisiger Gletscher Einsamkeit
    Und über Wolkenflügen weltenweit,
    Jenseits der sternbeglänzten ewigen Sphären

    Dort regst du dich, mein Geist, so frei und jung!
    Wie kühne Schwimmer durch die Wellen gleiten,
    So ziehst du durch die unermessnen Weiten
    Voll grosser, männlicher Begeisterung.

    Flieh' aus der Erde giftigtrübem Schlamme,
    Steig' auf zum Äther, Seele, werde rein!
    Und trink wie einen starken Götterwein
    Der lichten Räume himmlischklare Flamme.

    Weit hinter dir lass Kummer, Schuld und Streit,
    Die dumpf und lastend dich zur Erde zwingen,
    Beglückt, wer sich erhebt auf leichten Schwingen
    Zu leuchtender Gefilde Heiterkeit!

    Wessen Gedanken gleich der Lerche steigen
    Des Morgens frohbeschwingt zum Firmament,
    Wer überm Leben schwebt und mühlos kennt
    Der Blumen Sprache und der Dinge Schweigen!
    Geändert von Freeker (9. April 2016 um 20:34 Uhr) Grund: Beiträge zusammengeführt

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