Sekunde für Sekunde, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr,
saß ich hier wartend in der überfüllten Bahn und fuhr.
- Rüttelnd und schüttelnd auf meinem Platz -

Ich fuhr ganze 24 Jahre, 3 Monate, 2 Tage, 23 Stunden, 19 Minuten und ein paar zerquetschte Sekunden, bis ich endlich aufstand.
Es gab nicht viele Möglichkeiten.
- Aussteigen oder sitzenbleiben und weiterfahren -

Alle die hier drin sind, gleiten in dieselbe Richtung. Wohin es geht, wie lange es geht, weiß keiner so genau.
Doch immer wieder kommt es vor, dass wenn die Zeit reif ist, einige Genossen an bestimmten Haltestellen aussteigen und immer wieder neue einsteigen.
Ich erwische mich selber dabei, wie ich all die Gesichter um mich herum mustere.
- Alles war dabei. Wirklich alles -

Jüngere, ältere, kleinere, größere, dünnere, breitere, weibliche, männliche, dunklere, hellere.
Einige von ihnen schienen sich der Routine gefügt und sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben.
Ihr Leben scheint viel Glanz während des Wartens und der Ruhephase verloren zu haben.
Woran ich das festmache?
In all der Zeit, in der ich da saß, sind mir ganz besonders ihre Augen aufgefallen.
- Matt und lichtlos -

Sie leuchteten nicht mehr so erwartungsvoll und hoffnungsvoll, im Vergleich zu den Jüngeren, vielleicht noch Naiven, wohl eher Unschuldigen.
Ich glaube, einer dieser durchschnittlichen Mitstreiter gewesen zu sein.
Bis vor kurzem fragte ich mich, wie meine Augen wohl aussahen.
"Blickte ich auch so nüchtern, gelangweilt und desinteressiert drein?!
Sahen die anderen mich auch so mittelmäßig, wie ich sie?"


Ich hatte keine Antwort darauf und keine Option es alleine herauszufinden.
Bis zu dem Zeitpunkt, an dem mein Herz anfing, nicht nur für mich alleine zu schlagen!
Ab dem Augenblick, in dem du in mein Leben tratest und meine Augen nicht mehr von dir lassen konnten.
Seit dem spüre ich eine unbezwingbare Kraft, die aus mir kommt.
Es ist, als ob ich mich vom ganzen Setzen erhob und endlich lernte zu stehen.
Manchmal sehe ich sogar, wie die anderen meine Präsenz und Überlegenheit fühlen und versuchen danach zu greifen.
Sie wittern meine Macht.
Ich strahle vom tiefsten Inneren und habe das Gefühl, andere anstecken zu können.
Mein Herz brennt aus Liebe.
Es brennt so sehr für die Frau, der mein Herz gehört.
- Die eine Besondere unter all den Gewöhnlichen -