Wir verwenden Cookies, um deinen Aufenthalt auf Animes.so möglichst angenehm gestalten zu können. Mehr erfahren

Zeilenkampf

Dieses Thema im Forum "Gedichte" wurde erstellt von Learza, 10. Mai 2014.

  1. Learza

    Learza Kleiner Experte Otaku Experte

    Registriert seit:
    23. Jan. 2014
    Beiträge:
    66
    Zustimmungen:
    3
    Moin, moin,

    hier vorab ein paar Informationen zu meiner kleinen Gedichteecke, die ich mir hier einrichten möchte:
    Ich mache das nicht, damit mir alle sagen, wie toll das doch ist. Ehrliches bzw. sinnvolles Feedback sowie Nachfragen sind jedoch erwünscht.
    Ich mache das, weil ich hoffe, dass einige von euch es gerne lesen und es als Bereicherung empfinden.
    Und ich mache es, weil ich seit längerem nichts mehr zu Papier gebracht habe und hoffe, dass mich die Eröffnung meiner kleinen Schaubude hier motiviert, wieder etwas Zeit ins Schreiben zu investieren, denn bisher habe ich fast ausschließlich geschrieben, um geschrieben zu haben. Das kann und möchte ich hier nicht verbergen, denn dies alles ist weit ehrlicher über mich, als dass es falscher Vorwände bedarf.

    09.05.14
    Raum der Zeit

    Im Raum der Zeit,
    In Ewigkeit,
    Ohne Wasser ohne Leben,
    Kann es mich noch geben?
    Und ich bin, wo ich war.

    Im Raum der Zeit,
    In Einsamkeit,
    Ohne Licht, ohne Wand,
    Bin ich endlos gerannt.
    Und ich bin, wo ich war.

    Im Raum der Zeit,
    In Traurigkeit,
    Ohne Strahlen, ohne Tag,
    Nichts, was Hoffnung barg.
    Und ich bin, wo ich war.

    Im Raum der Zeit,
    In Bitterkeit,
    Ohne Wunsch, ohne Seele,
    Geh' ich mir an die Kehle.
    Und ich war, wo ich bin.



    Moderne Zeiten

    Wer betrachtet schon ein Bild,
    Wenn er ein Foto haben kann?
    Wer ließt schon ein Gedicht,
    Wenn das Finanzamt ihm schreibt?
    Wer spielt schon die Gitarre,
    Wenn die CD im Regal steht?
    Wer geht schon ins Theater,
    Wenn der Fernseher läuft?
    Wer zeigt schon Courage,
    Wenn er weg sehen kann?
    Wer hat schon eine eigene Meinung,
    Wenn die richtige gelehrt wird?
    Wer strebt schon nach mehr,
    Wenn es keiner verlangt?
    Und wer füllt schon diese Zeilen,
    Wenn er in dieser Welt leben kann?



    Dunkle Kreise / Schattenkind

    Ein kleines Kind in dunklem Kreis
    Betrachtet and're Menschen,
    Reckt sich, streckt sich, voller Fleiß,
    Mit seinen zarten Händchen.

    Doch niemand sieht sie, niemand sieht
    Sie in dem dunklem Kreise steh'n.
    Und niemand sagt ihr, niemand sagt,
    Man würde sie verstehn.

    Ein kleines Kind in dunklem Kreis,
    Zu jung, um laut zu rufen,
    Lässt fallen sich auf ihren Steiß,
    Sitzt draußen auf den Stufen.

    Doch niemand hilft ihr, niemand hilft,
    Dass weit're sie erklimme.
    Und niemand hört sie niemand hört
    Die leise heis're Stimme.

    Ein kleines Kind in dunklem Kreis,
    Ist hier und nirgends sonst.
    Am Anfang, Ende ihrer Reis'
    und zwischendurch umsonst.

    Doch niemand kennt sie, niemand kennt
    Des kleinen Mädchens Namen.
    Und niemand hält es, niemand hält
    Es schützend in den Armen.​

    11.05.14
    Windspiel

    Wehe Wind, umwehe sie,
    Die Weide, die schon ewig steht.
    Die weichen Äste spielen im Windhauch,
    Schwankten, wanken vor sich her.

    Und ob ein laues Lüftlein weht,
    Oder ein Sturm die Welt verdreht.
    So wankt die alte Weide nicht,
    Sie spielt das Spiel des Windes mit.

    Und ob ein Knab' und Weib darunter
    Ihrer Wolllust Tat verleihen.
    Und ob der Winter gar mit Wucht
    Das weiche Laub verwelken lässt.

    Und ob sie auch schon hier und dort
    Vom Alter morsch und brüchig ist,
    So wankt sie nicht, so weint sie nicht,
    Verweilt in des Windes Weisung.

    Die Weide wirk jetzt hoch erhaben,
    Lässt sich treiben, lässt sich tragen,
    Spielt das Spiel des Windes mit,
    Und weicht nie einen Schritt zurück.



    unbetitelt

    Lass niemals die Ketten reißen,
    Die dich an die Freiheit binden,
    Die dich zu den Wolken heben,
    Die dir blaue Federn brachten.

    Denn

    Blaue Vögel fliegen höher,
    Fliegen hoch mit buntem Schweif,
    Gleiten glänzend durch die Wolken,
    Steigen stolz durch Sternenstaub.

    Und

    So wünsch ich dir die Freiheit,
    Alle Farben zu betrachten,
    Zwischen Freud und Tränen Gleichheit,
    Regenbögen in den Augen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2014
  2. Azathoth

    Azathoth Läuft~ Otaku Amateur Ex-Mitarbeiter

    Registriert seit:
    27. Mai 2012
    Beiträge:
    320
    Zustimmungen:
    247
    AW: Zeilenkampf

    Bei dieser Aussage frage ich mich jetzt nur, hast du also einfach nur Worte die gut zusammen passen niedergeschrieben oder dabei eben versucht deinen Emotionen Ausdruck zu verleihen?
     
  3. Learza

    Learza Kleiner Experte Otaku Experte

    Registriert seit:
    23. Jan. 2014
    Beiträge:
    66
    Zustimmungen:
    3
    AW: Zeilenkampf

    Ich glaube ich habe auch ein oder zweimal etwas geschrieben, das nichts mit meinen derzeitigen Gefühlen zu tun hatte. Ich kann mich da aber nur an einen Text für eine Geburtstaskarte erinnern, die natürlich nicht so erschöpft und emotional überfordert klingen sollte, wie ich es zu dem Zeitpunkt war. (Damals hatte ich mit meinem Zivildienst angefangen, bei dem ich körperlich und/oder geistig behinderte Gruppe im Rahmen einer Freizeitgestaltung mitbetreut habe.) Das entsprechende Gedicht habe ich nicht mehr, denn alles, was ich für andere geschrieben habe, gehört demjenigen, also behalte ich keine Kopie.

    Stilmittel, Reimschema, etc... ist mir weitestgehend egal. Wenn ich glaube, dass etwas gerade passt, versuche ich es, wenn ich eine interessante Idee habe, probiere ich sie aus. Den Hauptteil würde man aber, glaube ich, der Moderne zuordnen.

    Inhaltlich ist das Meiste ein direkter Spiegel in meiner Gefühls- und Gedankenwelt. Überwiegend düster, da ich normalerweise beherrscht ruhig bin, und dies eine Möglichkeit bietet, den stummen Schreien, die einen Nachts nicht schlafen lassen, Ausdruck zu verleihen. Daher ist das Meiste auch nicht im Nachhinein verbessert worden, wenn eine Stelle unpassend wirkt oder besser hätte sein können. Das würde nur verfälschen.
    Eventuell ist es dadurch schwer zugänglich, da ich einige Zeit gebraucht habe und mich streckenweise immernoch darauf konzentrieren muss, meine Gedanken in nachvollziehbarer Weise zu formulieren. Deine Frage ist ein gutes Beispiel dafür: Denn ich dachte, diese Antwort sei ganz "offensichtlich", wenn auch mit weniger Details, in dem von dir zitiertem Satzteil enthalten.
     
  4. Der_Gardine

    Der_Gardine Freigeschalteter Otaku Otaku Novize

    Registriert seit:
    9. Feb. 2014
    Beiträge:
    24
    Zustimmungen:
    0
    AW: Zeilenkampf

    Auch wenn du hier nicht hören willst, dass es jemand gut gefällt, finde ich dein Gedicht Moderne Zeiten ziemlich gelungen. Es spricht mich an, und zeigt selbstverständliche Dinge die doch nicht banal gesagt klingen. Das literarische (fragende) Ich schließt dann am Schluss noch den letzten Bogen zu sich selber. Hält also nicht nur den anderen den Spiegel vor sondern auch sich selber. Das Gedicht wirkt dadurch nicht einfach wie ein erhobener Zeigefinger sondern klingt nach einer langsam schleichenden Mahnung. Super! Danke dass du es geteilt hast. Hat mir meine Zeit in dem Bus schon verkürzt
     

Diese Seite empfehlen